'ELBRIDGE 1.0' — Wie und warum Fachhandwerk und EGH bereits heute von professionellen Konfiguratoren profitieren können

06.11.2018
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„Mit ELBRIDGE 1.0, der standardisierten Einbettung von Herstellerkonfiguratoren in den Großhandelsshop, steht seit dem letzten Sommer eine erste Schnittstelle zur Verfügung […] Das Konzept, über das ich seit drei Jahren predige, heißt 'Seamless Customer Experience'. Damit können wir den Ablauf des dreistufigen Vertriebs digital organisieren“ – mit diesen Worten zitierte 'markt intern' in EI 23/18 den Unternehmer Andreas Bettermann in seiner Funktion als Vorsitzender des Fachverbandes Elek­troinstallationssysteme im ZVEI. Im Rahmen der öffentlichen Festveranstaltung zur Jahrestagung des Zentralverbandes der Elek­tro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) konnte der Referent mit einem kurzweiligen Vortrag in Sachen Digitalisierung einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den Akteuren des dreistufigen Vertriebswegs den Spiegel vorzuhalten. Möglicherweise hat es im Auditorium aber auch den einen oder anderen Zuhörer gegeben, dem zumindest insgeheim der konkrete Nutzen der genannten Schnittstelle in nicht hinreichendem Maße bekannt ist. Deshalb heute das Wichtigste zu ELBRIDGE 1.0 im kompakten Überblick:

Andreas Bettermann
© ZVEH/Gierke
Andreas Bettermann

Die Idee eines Produktkonfigurators an sich ist erst einmal nichts Besonderes. Ein Hersteller oder Händler bietet diverse Produkte an. Dazu entwickelt der jeweilige Anbieter ein digitales Tool, mit dem sich der Anwender einen persönlichen Warenkorb zusammenstellt. Der Inhalt des Warenkorbs kann dann im Idealfall mit wenigen Mouse-­Klicks bestellt werden. Beim Online-­Vertrieb einzelner Produkte sind entsprechende Konfiguratoren in vielen Branchen fast schon das tägliche Brot eines jeden Einzelhändlers. Deutlich komplizierter wird das Ganze allerdings dann, wenn es darum geht, dieses Vertriebskonzept auf die spezifischen Anforderungen des Großhandels zu übertragen. Ein Großhändler zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht nur einige wenige Markenprodukte anbietet. Sein Anspruch sollte es sein, seinem gewerblichen Kunden in kürzester Zeit Zugriff auf die Sortimente möglichst vieler marktrelevanter Hersteller zu bieten. Und dabei geht es dann nicht nur um einige besonders häufig nachgefragte Komponenten, sondern idealerweise um das gesamte Sortiment eines Herstellers. Insbesondere in der Elektrotechnik verfügen die unterschiedlichen Geschäftsbereiche einzelner Anbieter über eine schwindelerregende Sortimentstiefe. Das hat viele Vorteile! Installateuren stehen maßgeschneiderte Bauteile zur Verfügung. Endkunden bekommen komfortable Produkte. Dabei profitieren sie von einem Höchstmaß an elektrotechnischer Sicherheit und einer fast schon uferlos anmutenden Anwendungsvielfalt.

Prozessübersicht ELBRIDGE-Schnittstelle
Grafik: ETIM Deutschland e. V.
Prozessübersicht ELBRIDGE-Schnittstelle

Diese fulminante Sortiments- und Vertriebskompetenz ist das Resultat einer jahrzehntelangen Entwicklung. Dass es nun – im Zeitalter der Digitalisierung – für alle Beteiligten eine Herkules-Aufgabe ist, die vorhandene vertriebliche und logistische Kompetenz in reibunsglos funktionierende digitale Prozesse zu überführen, liegt auf der Hand. Der bisher eher sporadische Einsatz ernstzunehmender Produkt-Konfiguratoren gestaltete sich auf dem vordergründig oftmals komplex erscheinenden dreistufigen Vertriebsweg bisher so, dass jeder Hersteller seinen eigenen Konfigurator auf Basis einer individuellen Programmierung entwickelt hat. Um den Produktkonfigurator an den Online­shop eines Elektrogroßhändlers anbinden zu können, musste der Industrieteilnehmer seinen Konfigurator an jeden einzelnen Großhandelsshop individuell anpassen. Dazu war es bisher Aufgabe des jeweiligen Großhändlers, immer wieder aufs Neue eine Vielzahl von Schnittstellen bereitzustellen, um verschiedene Hersteller einbinden zu können. All dies ist zum einen nicht ganz billig. Zum anderen dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis die langwierige Programmierung und Testphase mit jedem einzelnen Großhandelsshop erfolgreich abgeschlossen ist. So ist es zu erklären, dass es bis zum heutigen Tag allenfalls vereinzelt Produktkonfiguratoren gibt, die tatsächlich dem Anspruch der viel gepriesenen, aber selten praktizierten nahtlosen 'Customer Experience' gerecht werden. Denn abgesehen von den erheblichen Umsetzungs­kosten erweist sich der Faktor Zeit als gravierender Bremsklotz auf dem Weg in den digitalisierten dreistufigen Vertrieb.

Um die Prozesse effizienter gestalten zu können, hat der Verein Elektro-Technisches-Informations-Modell Deutschland (ETIM) sich entschieden, die Standardschnittstelle 'ELBRIDGE' zu entwickeln. Gedacht als 'Elektronik-Brücke' (engl.: electronical bridge) soll die standardisierte Schnittstelle es möglich machen, herstellerspezifische Produktkonfiguratoren in besonders effizienter Form mit den Online-Shops des Elektro-­Großhandels zu verknüpfen. Dies dürfte eine der zentralen Botschaften gewesen sein, die Andreas Bettermann im Rahmen des eingangs genannten Zitats auf der ZVEH- Branchenveranstaltung an seine Zuhörer richten wollte. In nahezu jeder Branche ist es allerdings so, dass auf öffentlichen Veranstaltungen auch schon mal viel erzählt wird, wenn der Tag lang ist. Insofern stellt sich stets die Frage: Wie konsequent ist ein ehrenamtlich agierender Funktionsträger selbst, wenn er knackige Vorträge über die Herausforderungen des dreistufigen Vertriebswegs hält? – Um sich bei solchen oder ähnlichen Fragen einer Antwort anzunähern, kann es sich lohnen, einen Blick auf die unternehmerischen Aktivitäten des jeweiligen Mahners zu werfen.

Hauptberuflich ist Andreas Bettermann kein ZVEI-Funktionär, sondern Geschäftsführer der OBO Bettermann Holding GmbH & Co.KG. Damit drängt sich die Frage auf, wie weit denn beispielsweise der Hersteller OBO Bettermann im gelebten Alltag der Digitalisierung tatsächlich ist. 'markt intern' hat für Sie genauer hingeschaut: Zur Planung und Bestückung elektrotechnischer Anlagen stellt OBO Bettermann für Planer und Installateure seit einigen Jahren zahlreiche digitale Assistenzsysteme zur Verfügung. Einen guten Überblick über die derzeitigen Varianten der OBO Construct Planungssoftware finden Sie unter www.obo.de/service/obo-construct. Auf Nachfrage von 'markt intern' ist zu erfahren: Noch nicht alle hier aufgeführten Planungssoftwareangebote verfügen über eine ELBRIDGE-Schnittstelle. Aber: Bei den beiden Software-Varianten 'OBO Construct für Erdungssysteme' und dem entsprechenden Planunsgtool für Unterflursysteme handelt es sich jeweils um ELBRIDGE-basierte Produktkonfiguratoren. In einer offiziellen Mitteilung von OBO Bettermann über den Konfigurator für Erdungssysteme heißt es u. a.:

„Erdungssysteme bilden die Basis für einen funktionierenden Potentialausgleich und tragen somit maßgeblich zur Sicherheit von Personen sowie zur Vermeidung von Sachschäden bei. Daher ist in Deutschland für Neubauten die Errichtung eines Fundamenterders nach der neuen DIN 18014 (2014) aufgrund der VDE 0100-540 verpflichtend. Diese neue DIN 18014 beinhaltet: Den Funktionspotentialausgleich für eine sichere Funktion der elektrischen Anlage. Maßnahmen für eine erdfühlige Verbindung der gesamten Erdungsanlage, auch bei isoliert aufgebauten Fundamenten bzw. Perimeterdämmung.“

Screenshot vom 6. November 2018
Screenshot vom 6. November 2018

Dazu konkretisiert der Unternehmer Andreas Bettermann gegenüber 'markt intern' außerdem: „OBO Construct Erdung ist das erste Planungstool, das OBO Bettermann direkt in erster Generation auf ELBRIDGE-Basis entwickelt hat. Es bietet elektronische Planungshilfen, die einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, Elektroplanern und -installateuren die Projektierung elektrischer Anlagen zu erleichtern. Die vielfältigen Maßnahmen und Entscheidungsrichtlinien, Materialkombinationen und notwendigen Verbindungen sind in der neuen DIN 18014 nicht ohne weiteres ersichtlich. OBO Construct Erdung sorgt hier durch strukturierte Abfragen der Objekteigenschaften für eine sichere Festlegung. Ob Nachinstallation oder Neubau, das Programm ermittelt gemäß DIN 18014 und VDE 0185-305-3, je nach Anwendungsfall, die zulässigen Materialien und Bauteile. Besonders geeignet ist OBO Construct Erdung für die Planung von kleinen bis mittleren Gebäuden. Construct Erdung wurde ganz bewusst so konzipiert, dass es gerade Anwender aus dem Handwerk bei der normgerechten Errichtung einer Erdungsanlage unterstützen kann. Der Konfigurator ist so gestaltet, dass sich eine einfache und intuitive Benutzerführung ergibt. Der Nutzer klickt sich Schritt für Schritt durch die einzelnen Komponenten der Erdungsanlage. Im Hintergrund berechnet die Software automatisch die erforderlichen Mengen. Nach Abschluss der Konfiguration kann sich der Anwender seine Zusammenfassung in unterschiedlichen Dateiformaten herunterladen. Neben den Ausschreibungstexten und der obligatorischen Materialliste mit den Mengenangaben je Bauteil steht dem Anwender auch eine Zusammenfassung aller eingegebenen Daten und ausgewählten Spezifika in Form einer Projektbeschreibung der kompletten Erdungsanlage zur Verfügung. Über die ELBRIDGE-Schnittstelle ist es dann möglich, die ermittelten Komponenten direkt über den Online-­Shop des angebundenen Großhändlers zu bestellen.“

Und genau das ist es, was man unter einer 'Seamless Customer Experience' versteht: Durch die strukturierte Datenabfrage ist die Einhaltung der Vorgaben aus der DIN 18014 gewährleistet. Eine aufwändige Berechnung notwendiger Komponenten entfällt. Die bisher oftmals zeitraubende Suche nach zueinander passenden Produkten verliert ihren Schrecken. Das spart Zeit und beugt fehlerhaften Bestellungen vor. Zumal das Recherche-Ergebnis in Form einer Stückliste direkt als Projektbeschreibung zur Weitergabe an den Kunden oder zur Bestellung an den Großhandel exportiert werden kann. Ganz offensichtlich ist es so, dass OBO Bettermann bei der Entwicklung von Lösungen für die 'nahtlose Kundenerfahrung' tatsächlich konsequent am Puls der Zeit agiert. Insofern ist es nicht nur das gute Recht, sondern im Grunde sogar die Pflicht eines aufrichtigen Unternehmers, seine unternehmerischen Erfahrungen in die herstellerübergreifende Verbandsarbeit des ZVEI einfließen zu lassen. In Kürze erfahren Sie bei 'markt intern' u. a.,  wie weit andere Hersteller bei der Entwicklung ELBRIDGE-basierender Konfiguratoren sind und  welcher Nutzen für das Handwerk entstehen kann, wenn bei der Planung von Unterflursystemen der bereits erwähnte ELBRIDGE-basierte Produktkonfigurator zum Einsatz kommt.

RA Oliver Blumberg
Chefredakteur
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